Geschichte - Almersbach

Almersbach ist ein sehr altes Dorf. Die Besiedlung erfolgte bereits im 11. oder 12.Jh. Seine Bedeutung ergab sich aus den geographischen Gegebenheiten. Zur Grafschaft Wied gehörend lag es an der Grenze zur Grafschaft Sayn, zu der Altenkirchen gehörte. Die Wied markierte die Grenze und außerdem lag der Ort an der wichtigen „Hohen
Strasse“, von Schöneberg kommend und über den “Dorn“ nach Gieleroth führend. Die erste Erwähnung in einer Urkunde stammt aus dem Jahre 1199. Darin wird Almersbach als Kirche des St.Cassius- Stiftes zu Bonn genannt. Um die Grenzsituation hervorzuheben - Altenkirchen wurde 1314 zur Stadt erhoben - erhielt Almersbach 1357 die Stadtrechte von Kaiser Karl IV. Die Stadt Almersbach bestand aus einer Kirche, einem Pfarrhaus und zwei oder drei Häusern. Es gab keine städtischen Befestigungen, Marktrechte oder ähnliches. 1488/89 heiratete die Grafentochter Johannetta von Wied den Junggrafen Gerhard von Sayn. Johannetta bekam als Mitgift 10. 000 rh. Gulden und die Kirchspiele Almersbach, Höchstenbach und Schöneberg. Von nun an gehörte Almersbach zur Grafschaft Sayn und von einer Stadt Almersbach ist keine Rede mehr. 1561 führten Adolf und Sebastian II. von Sayn in der Grafschaft die Reformation durch. Die Kirche in Almersbach ist nun lutherisch. Graf Heinrich von Sayn erlässt 1589 eine Kirchenordnung. Danach soll an jeder Kirche eine Schule errichtet werden. Die erste Schule im Kirchspiel Almersbach soll jedoch schon vor 1570 eingerichtet worden sein. Im Jahr 1605 erfolgte in der Grafschaft Sayn der Übergang von der lutherischen zur reformierten Lehre. Im Auftrage des Grafen Wilhelm von Sayn-Wittgenstein bereisten die beiden reformierten Pfarrer Johannes Jakobus Hermanus, bisher Hofprediger in Dillenburg, und Reinhardus Susenbethus von Nassau, Pfarrer zu Altstadt, sämtliche Pfarreien der Grafschaft. Bis zum 01. 10. 1605 mussten die Geistlichen sich entschieden haben, ob sie sich für das reformierte Bekenntnis aussprechen oder ihres Hab’ und Gutes verlustig das Land verlassen mussten. Der damalige Pfarrer von Almersbach Henricus Hachenberg wollte beim Luthertum bleiben und musste gehen. Sein reformierter Nachfolger wurde Johannes Alexius. Im 30jährigen Krieg und wegen mehrerer Pestepidemien gab es in den Dörfern viele Tote. Auf Grund einer gräflichen Verfügung wurden die Toten von Widderstein und Michelbach in Almersbach beerdigt. Da die Gräfin Louise Juliane von Sayn lutherisch war, besetzte sie die Pfarrstelle von Almersbach 1665 mit dem lutherischen Pfarrer Johann Ludwig Dumphius. Die reformierten Gläubigen wurden von Schöneberg aus mitverwaltet. In der Silvesternacht 1688 trifft Almersbach ein schwerer Schlag. Im Pfälzischen Krieg zogen französische Truppen vom Rhein hinauf auf den Westerwald, wo sie die Dörfer des saynischen Gebietes plünderten. Die Almersbacher und Leuzbacher setzten ihnen Widerstand entgegen. Daraufhin wurden beide Dörfer geplündert und eingeäschert. 1742 waren Soldaten der 2. Armee des Marschalls Maillebois in Almersbach und Umgebung einquartiert. Es heißt, sie hausten hier schrecklich. Unter anderem brachen sie in die Kirche ein, verunreinigten und beschädigten sie, sodass sie noch lange einen traurigen Anblick bot. 1784 gründeten die Altenkirchener Kaufmänner Jakob Büsgen und J.H. Bender den „Altenkirchner Hammer“ oder auch “Hoffnungstaler Eisenhammer“ genannt. Einige Jahre später fanden auch in Almersbach die französischen Revolutionskriege statt. Berühmt wurde die Schlacht bei Altenkirchen am 4.6.1796. In einem weiten Bogen von Almersbach nach Schöneberg und bis nach Kroppach hin standen die Truppen des Herzog Ferdinand von Württemberg. Ein Bataillon des Freikorps O’Donnel und sechs Kompagnien Tiroler Jäger waren in Almersbach und Schöneberg einquartiert. Dann kamen die Franzosen. Über Neitersen rückte die Kolonne des Generals Brunet gegen Almersbach. Die Österreicher mussten der Übermacht weichen. Sie hatten diese Schlacht verloren. Von 1802 bis 1815 gehörte die Grafschaft Sayn-Altenkirchen zu Nassau und kam dann nach Preußen. 1817 wurde in kirchlicher Hinsicht die Union eingeführt, 1819 offiziell. Der reformierte Pfarrer Breusing ging in Pension und der vorher lutherische Pfarrer Dormann betreute jetzt alle evangelischen Bürger. Der „Altenkirchner Hammer“ muss 1820 wegen Unrentabilität schließen. Leopold Schmeiß gründete an gleicher Stelle eine Papierfabrik, die er 1833 an den Papiermühlenmeister Lauemburg aus Solingen verkaufte. 1838 kaufte Ferdinand Jagenberg die Fabrik. Sie sollte bis zum Ende des 20. Jh. in Familienbesitz bleiben. Als die Zahl der Schüler, die die Schule in Fluterschen besuchten (auch die Kinder aus Almersbach und Stürzelbach gehörten zum Einzugsgebiet dieser Schule), so groß wurde, dass eine dritte Lehrkraft eingestellt werden müsste, entschlossen sich die Gemeinden Almersbach und Stürzelbach eigene Schulen zu errichten. Der Bauunternehmer Becker aus Altenkirchen baute 1893/94 das Schulgebäude an der Koblenz-Olper-Provinzialstraße. Die Schule besuchten 42 Kinder. Der erste Lehrer war Heinrich Grün. Am 23.4.1898 brannte die Papierfabrik.
Aus dem auf Maschine 1 befindlichen Presslager, dass mit Papier gefüllt war, schlugen die Flammen. Schnell griff das Feuer auf den danebenstehenden Lager- und Packraum über. Auch das Comptoir, die Strohscheuer und die Ökonomiegebäude wurden ein Raub der Flammen. Der Funkenregen ging bis über die Kirche hinweg. Mit einem Schlag wurden 300 Personen arbeitslos. Doch ein Jahr später wurde wieder Papier gemacht.
1903/04 baute die Kirchengemeinde am Mühlberg ein neues Pfarrhaus. Für Almersbach begann der 1. Weltkrieg am 2.8.1914. An diesem Tag schlug der Vorsteher Anton Bieler den Mobilmachungsbefehl an die Tür des Schulhauses. Noch am gleichen Tag mussten sich die Landsturmleute in Neuwied stellen. Am Ende des Krieges sind 7 Almersbacher Bürger gefallen, 2 wurden vermisst. Ab Februar 1922 gibt es in Almersbach elektrisches Licht. Ein Jahr später wurde auf dem Friedhof das Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges errichtet. Ab 1932 konnte die neue Gemeinde - Wasserleitung benutzt werden. Der 2.Weltkrieg brachte auch über Almersbach viel Not und Leid. Die Männer wurden eingezogen, Frauen und Kinder mussten alle Arbeit tun. Auch in diesem Krieg wurde viel gesammelt und gespendet. Almersbach selbst wurde von Bombeneinschlägen verschont, doch Altenkirchen wurde in Schutt und Asche gelegt. Anfang April 1945 kamen die Amerikaner und besetzten das Dorf. Im Krieg waren 22 Personen gefallen und 8 wurden vermisst. Im Juni 1945 lösten die Franzosen die Amerikaner ab. Ihr Quartier war im Saale Braun. Das Gymnasium Altenkirchen benutzte die Räume der Almersbacher Schule. Die Almersbacher Kinder gehen in Fluterschen zur Schule.
Ab 1947 kann die Schule dann wieder voll genutzt werden. Die Währungsreform brachte jedem Bürger 40,- DM. Der SSV Almersbach wird gegründet. Der Braun’sche Saal dient ab 1950 als Flüchtlingsdurchgangslager. Der erste Transport kam im März. Die meisten Flüchtlinge zogen weiter bis nach Luxemburg, einige blieben hier. Es konnten in dem Wohnlager bis zu 300 Personen untergebracht werden. 1951 wurde der Sportplatz eingeweiht. 1966 wird die Schule in Almersbach aufgelöst. Die Klassenräume werden jedoch bis 1973 von der Schule Fluterschen mitbenutzt. 1970 werden die beiden Neubaugebiete „Auf’m Eichhahn“ und „Im Hirzberg“ erschlossen.

Anka Seelbach, Almersbach